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Alltags-Challenge: Kälte, Nässe, Hitze, Schnee und Eis

Radfahren, wenn die Sonne scheint und es angenehme 22 Grad im Schatten hat, weil es gerade Spaß macht, ist leicht und ein guter Einstieg für Menschen, die das Fahrrad bisher nicht genutzt haben. Alltagsradler fahren aber auch unter anderen Bedingungen: Bei Kälte, Nässe, Hitze und manche bei Schnee und Eis. Das ist sehr gut möglich und wir zeigen hier, WIE das geht.

Kälte

Wenn die letzten warmen Tage dämmern, stellen viele  Sommeradfahrer/innen ihre Fahrräder in die Garage oder den Keller und  warten, bis es draußen wieder gemütlicher wird. Wir Alltagsradler finden, dass es jetzt erst interessant wird. Bunte Blätter, kühle Frische in der Nase und Schwitzen nur, wenn man zu warm angezogen ist. Das  richtige Anziehen ist aber jetzt die eigentliche Kunst, wenn man nicht  nur in der Ebene fährt. Fährst du zuerst an einem kalten Morgen bergab und 20 Minuten später, wenn du aufgewärmt bist, steil bergauf, wo am Ende deine Arbeitsstelle liegt, so ist die Herausforderung perfekt. Am Zielort duschen ist eine Möglichkeit, die manche Alltagsradler haben,  aber es sollte auch noch andere Optionen geben. Ein paar Tipps von  unserer Seite:  

  • Windschutz vor Wärmeschutz: Sobald man sich am Fahrrad bewegt, ist es vor allem der Fahrtwind, der (unerwünschte) Kühlung bringt. Muss man daher nicht zu lange bergab fahren, ist ein atmungsaktiver Windschutz oft einer warmen Jacke vorzuziehen.  
  • Schichten und nötigenfalls unterwegs eine Schicht ausziehen: Hier  bietet sich auch an, ein mäßig windabweisendes Kleidungsstück unter einem Windschutz zu tragen. Zieht man die Windjacke aus, so kühlt der  Fahrtwind stärker und gleicht höhere körperliche Wärmeentwicklung durch  die Anstrengung bei höherer Geschwindigkeit aus. Das funktioniert  allerdings beim Bergauffahren nur bedingt.  
  • Mütze, Schal und Handschuhe: Diese kann man bei Bedarf am schnellsten ausziehen und z.B. in der Jackentasche verstauen. Am meisten Wärme wird über den Kopf abgegeben. Daher ist die Wärmeregulierung hier  am schnellsten möglich.  
  • Sportbrille gegen den Fahrtwind in den Augen. Es gibt Brillen, die rundherum wenig Luft hinter die Brillengläser lassen. Wichtig bei Dunkelheit: Maximal 15 % verdunkelte Gläser, sonst wird es gefährlich und in einigen Ländern auch illegal.  
  • Langsam genug fahren: Je nach Kondition bringt das auf Fahrradstrecken zumeist lediglich einen Zeitverlust von wenigen Minuten. Schwieriger ist dabei oft die Selbstdisziplin. Und für alle, die das  wollen: Langsam fahren ermöglicht Fettverbrennung, welche bei  angestrengtem Fahren nicht stattfindet

Nässe

Die Wahrscheinlichkeit, beim Radfahren nass zu werden, ist wesentlich  geringer als oft vermutet. Sie liegt je nach Aufenthaltsdauer im Freien, Jahreszeit und Region selbst in regenreichen Ländern wie den Niederlanden im Durchschnitt unter 10 %. (Quellen: https://www.hetregentbijnanooit.nl/site/ und https://rad-spannerei.de/2014/09/08/radfahren-und-regenwahrscheinlichkeit/.Wenn man nass wird, bleibt das jedoch unangenehm in Erinnerung.  Radfahren bei Regen ist keineswegs ausgeschlossen, aber etwas  aufwändiger und ein guter Schutz ist notwendig. Wer bisher noch keine  gute Strategie gegen Nässe beim Radfahren hat, kann einmal Folgendes  ausprobieren:  

  • bei leichtem Regen einfach ein wenig feucht zu werden akzeptieren oder wasserabweisende Kleidung tragen.  
  • bei starkem Regen: atmungsaktive Regenhose und atmungsaktive Regenjacke plus wasserdichte  Überschuhe. Der Kopf kann mit einem Helmregencover oder einer Kaputze  (auch unter oder über einem Helm) trocken gehalten werden. Schneller angezogen aber mit höherem Luftwiderstand beim Fahren ist ein Regenponcho. Unter diesem schwitzt man tendenziell auch etwas weniger.  Eine andere recht praktische Alternative ist ein Overall.

Schnee und Eis

Wenn die Straßen rutschig werden, werden die Radfahrer auf den Straße immer weniger und jene, die es weiterhin wagen, auf zwei Rädern unterwegs zu sein, werden von manchen anderen Menschen gar als selbstmörderisch beargwöhnt. Aus unserer Sicht kann man sich aber auch auf Schnee und Eis immer noch sicher auf dem Fahrrad fortbewegen.

 

Beim Fahren auf Schnee und Eis gibt es mit dem Fahrrad die gleichen Möglichkeiten wie beim Auto: Will man die Bodenhaftung verbessern, montiert man Reifen mit einem guten Profil und für Eis mit Spikes. Gute Spike-Reifen für das Fahrrad haben voll aufgepumpt wenige Nägel am Boden und relativ wenig Rollwiderstand und mit weniger Luft sehr viel Grip, speziell auch auf eis- oder schneeglatter Fahrbahn. Der Rollwiderstand ist dann relativ hoch. Man erhält einen zusätzlichen Trainingseffekt verglichen mit der Anstrengung auf einem leichten Rennrad auf dünnen Slick-Reifen. Dass man seine Geschwindigkeit anpasst und auch mit dem Fahrrad bei Schnee oder Eis langsamer unterwegs ist als bei griffiger Fahrbahn, das sagt einem der Hausverstand. Für weniger Erfahrene vielleicht noch ein paar Tipps, an die man nicht sofort denkt:

  • Bodenmarkierungen und Zebrastreifen sind besonders rutschig, wenn darauf Wasser gefroren ist. Man sieht dies nicht und wenn man es spürt, ist es bereits zu spät. Das gleiche gilt für Straßenbahnschienen, Kanaldeckel und ähnliche Flächen.

  • Wenn man rutscht, sollte man schnell reagieren können. Es empfiehlt sich, den Schwerpunkt möglichst tief zu haben und mit den Füßen den Boden erreichen zu können. Also: Sattel etwas niedriger stellen, als es die optimale Kraftübertragung verlangen würde.

  • Für den Fall, dass man wirklich ausrutscht, bieten hohe Schuhe oder Stiefel, welche über die Knöchel gehen, einen wichtigen Schutz gegen Knöchelverletzungen.

Meistens ist eine Straße oder ein Fahrweg nicht völlig vereist. In diesen Fällen genügt es mit „normaler“ Winterausrüstung (griffige Reifen mit Profil) vorausschauend zu fahren und vor möglichen eisigen Stellen die Geschwindigkeit zu reduzieren.

 

Und wenn man sich auf zwei Rädern wirklich zu unsicher fühlt oder keine Spike-Reifen montieren möchte? Dann gibt es die Möglichkeit, auf ein Rad mit drei oder vier Rädern umzusteigen. Mit solchen Fahrrädern macht sogar das Driften Spaß (bitte aber nicht auf der öffentlichen Straße) und man ist nicht gefährdet zu stürzen. Hier ein, zwei Beispiele für Dreirad-Fahrräder, die solchen Ansprüchen genügen. Unter der Rubrik Fahrräder werde ich später noch mehr über Dreiräder als Alltagsfahrräder berichten.

 

Schnee ist eine vielschichtige Angelegenheit. Eine glatte Schneefahrbahn kann rutschig wie eine Eisfläche sein oder für profilierte Fahrradreifen griffig und sehr gut zu fahren. Tiefer Neuschnee macht Spaß, so lange er einem nicht die Ritzel vereist und so das Schalten mit einer Außengangschaltung verunmöglicht. Am unangenehmsten ist wohl tiefer Schneematsch, der sich im Fahrwerk festsetzt und gleichzeitig auf der Straße eine rutschige Unterlage bereitet, in der man dahinschwimmt. Bei diesen Bedingungen gebe ich dann meist endgültig auf und nehme den Zug oder Bus. Aber wie viele Tage im Jahr hat es genau zu der Zeit, in der ich radfahren will, tiefen Schneematsch auf der Straße?

 

Die neueste Mode in der Region, in der ich wohne, ist es auch Fahrradwege zu salzen. Das macht das Fahren zwar sicherer, aber ruiniert verlässlich jedes Fahrrad, wenn man es nicht täglich nach der Fahrt mit Wasser abspritzt. Meine Meinung dazu: Bitte liebe Verantwortliche für die Schneeräumung: Lasst das Salzen sein. Es belastet das Grundwasser und schädigt Tiere, Schuhe und Fahrzeuge und führt dazu, dass VerkehrsteilnehmerInnen bei widrigen Bedingungen zu schnell fahren.

 

Noch ein paar Worte zum idealen Winterfahrrad – von den Reifen abgesehen: Wie bereits erwähnt, ist bei Schnee und Schneematsch bei einem Fahrrad mit Außengangschaltung ein Verkleben der Ritzel am Hinterrad möglich. Eine Innengangschaltung bietet hier wesentliche Vorteile. Es gibt nur ein Ritzel und keine Zwischenräume, die vereisen können. Ein möglichst geschlossener Kettenschutz kann montiert werden und schützt gegen Salz, Dreck und Korrosion aufgrund von Nässe und Salz. Wer also das ganze Jahr radfährt und nicht sehr gerne radputzt, der ist mit einer Innengangschaltung, einem Vollkettenschutz und möglichst langen Schutzblechen für die Räder sehr gut bedient.

 

Wer eine wirklich ausführliche und umfassende Diskussion (auf Englisch) zum Thema Winterfahrradfahren sucht, findet eine solche im Blog des Schweden John Andersen [→ Link].

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