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Radfahren mit Kindern

Ehrlich: Vor 15 Jahren hätte ich meine Kinder in Wien nicht in einem Fahrradanhänger mitgenommen und würde es heute in manchen Städten immer noch nicht tun (selbst wenn sie jetzt noch in den Anhänger passen würden). Die meisten Menschen sind vorsichtiger, wenn sie Kinder haben und passen besser auf diese auf als auf sich selbst. Das finden wir auch gut so. Trotzdem ist es aus unserer Sicht nicht notwendig, Kinder auf jedem Weg mit ein bis zwei Tonnen Blech und Airbags zu schützen.


Ein Helm ist in manchen Ländern (in Österreich etwa bis 12 Jahre) Pflicht und sicher sinnvoll, weil Kinder einen im Verhältnis zu ihrem Körper schwereren Kopf als Erwachsene haben und die Landung bei einem Sturz daher mit höherer Wahrscheinlichkeit als bei anderen Erdenbürgern den Kopf betrifft. Weitere gesetzliche Bestimmungen zum Mitnehmen von Kindern in Österreich findest du auf dieser Seite, die ich generell sehr empfehlen kann: Link zur Radlobby (Kindertransport)

 

Kinder "transportieren":
Ein Kindersitz am Fahrrad ist unserer Meinung nach die flexibelste Form für den Transport kleinerer Kinder. Der Sitz sollte bestimmte Sicherheitskriterien erfüllen. In vielen Ländern (z.B. in Österreich) verboten sind Kindersitze, bei denen das Kind vor der Fahrer/in sitzt. Wir finden das schade, denn diese Form hätte mehrere Vorteile: Die Kommunikation zwischen Kind und Fahrer/in ist leichter als wenn das Kind hinten sitzt, das Kind sieht nach vorne, wo die Fahrt hingeht und die Fahrer/in kann leichter auf Aktivitäten des Kindes reagieren. Die Haltung der Fahrer/in am Rad hinter dem Kind, gibt darüber hinaus auch Geborgenheit. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie mich mein Vater auf so einem Sitz in den Kindergarten fuhr. Es ist eine schöne Erinnerung.


Weit verbreitet und mit großem verfügbaren Angebot ist der Kinderanhänger, oft als Kiki („Kinderkiste“) bezeichnet, ein beliebtes Kindertransportmittel. Im dichten Stadtverkehr hat er gewisse Nachteile: Die Kinder sitzen in Auspuffhöhe der Autos und könnten übersehen werden. Auf Radwegen und wenig befahrenen Straßen, sind sie aber sehr praktisch. Viel Platz – auch für Gepäck und Einkauf, bequem, mit den meisten Fahrrädern zu ziehen, jederzeit abhängbar. Die günstigsten Anhänger bekommt man gebraucht, die nächste Kategorie gelegentlich beim Lebensmitteldiskonter. Luxusvarianten sind gefedert, haben ein schönes Design und eine Vielzahl von Features.

 

 

Eine Alternative zum Kinderanhänger ist ein speziell für Kinder adaptieres Transportrad. Folgende zwei Modelle haben eine gewisse Verbreitung gefunden. Der große Vorteil gegenüber einem Anhänger: Man hat die Kinder immer im Blick, weil sie vor einem sitzen. Nachteil: Man braucht ein eigenes Rad, das teuer und schwer ist und ohne Kinder lediglich als Transportrad genützt werden kann.

Mit Kindern unterwegs, die selbst fahren:

Das erste eigene Rad macht stolz und lässt die subjektiv erlebte Reichweite des Kindes unglaublich anwachsen. Als Erwachsenen-taugliches Verkehrsmittel taugen sie natürlich noch nicht. Für diese Phase und noch einige Jahre danach, ist wohl ein Tandemanhänger gut, um größere Reichweiten mit Kindern zu schaffen. Wenn man kleinere Reparaturen selbst machen kann, ist ein solcher oft sehr günstig gebraucht erhältlich.


Radfahren mit Kindern braucht immer Geduld und gute Nerven. Das gilt besonders, wenn das Kind mit dem eigenen Rad fährt und man mit dem Kind auf öffentlichen Straßen unterwegs ist. Die Aufmerksamkeit eines Kindes ist anders als die eines Erwachsenen. Sie ist ablenkbarer, nicht immer beim Fahren und braucht – bei manchen Kindern – noch jahrelang die ergänzende Aufmerksamkeit der erwachsenen Begleiter/in. Schwankende und kurvenreiche Fahrten auf der Straße sind normal, auch wenn das Gleichgewicht am Rad längst kein Thema mehr ist und das Kind geschickter mit dem Rad umgehen kann als die meisten Großen. Das Radfahren dennoch nicht nur zuzulassen, sondern sogar zu unterstützen, bereichert das Kind jedoch und fördert seine Entwicklung in vielfältiger Weise (intermodale Wahrnehmung, Koordination zwischen Sinnes- und Bewegungsapparat, Entwicklung der Skelettmuskulatur, …). Dass man dabei verkehrsreiche Straßen und die Nähe von LKWen und ähnliches vermeiden wird, versteht sich von selbst. Und natürlich fährt das Kind voraus und die Begleitperson hinterher, so dass die Begleitperson das Kind immer im Auge und in Rufweite hat. Die zugelassene Autonomie steigt ganz selbstverständlich mit dem erarbeiteten Vertrauen.

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