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Das Fahrrad der Zukunft

 

Drei Entwicklungen:

 

1. Diversifizierung – die Vielfalt der Bauarten wird weiter zunehmen:

Dies legt ein Blick zurück und besonders die Entwicklung der letzten Jahre nahe. In den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts herrschten zwei Bauarten vor, daneben gab es ein paar weitere, zum Teil fast vergessene Varianten, die kaum jemanden interessierten. In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde das 1979 aus der Taufe gehobene Mountainbike entwickelt, Rennräder waren eine eigene Fahrradklasse und man konnte bereits zwischen Alltagsrädern, zumeist noch mit Dreigangnaben oder ohne Gangschaltung und Tourenrädern mit zehn und bald darauf 12 und mehr Gängen unterscheiden. Heute unterscheiden wir zwischen Citybike, Trekkingrad, Travelbike, Moutainbike (Hardtail, Fully und weiter differenziert als z.B. Enduro, Allmountain, Downhill, Trail, …), Randonneur, Road-Race, Gravelbike, Cruiser und allen Formen von Spezialrädern, angefangen beim weiten Feld von Liegerädern über Lastenräder, Falträder bis hin zu mit Armen angetriebenen Fahrrädern und andere Spezialkonstruktionen, die verschiedene körperliche Einschränkungen von Fahrer/innen berücksichtigen. Das ganze mittlerweile jeweils mit oder ohne elektrische Unterstützung. Mittlerweile gibt es sogar elektro-unterstützte Rennräder. Es gibt keinen Grund, weshalb sich diese Vielfalt reduzieren sollte und hunderte Gründe, weshalb auf weitere unterschiedliche Interessen Rücksicht genommen werden wird.

 

 

2. Pedalbetriebene Komfort-Mobile:

Die letzte Entwicklung im Alltags-Radverkehr ist eine ebenfalls nicht ganz neue, aber derzeit sind ein paar Firmen am Sprung in die Serienreife für Fahrräder, die gar nicht mehr wie Fahrräder aussehen und die einige ganz praktische Eigenschaften habe, welche dem klassischen Fahrrad abgehen: Sie haben einen echten Wetterschutz und sind bequem auch in kalten Klimazonen ganzjährig fahrbar. Sie haben eine Karosserie und zumeist drei oder vier Räder und nennen sich Podbike oder Podride, ELF oder Carbike. Sie werden das bestehende Spektrum ergänzen und sind attraktiv für Menschen, die mehr Komfort möchten als mit einem heute üblichen Fahrrad erreichbar ist und die dennoch viele Wege ohne ein Automobil zurücklegen wollen. Diese Modelle sind mittlerweile alle elektrisch unterstützt, aber dennoch Human-Powered-Vehicles (HPVs). Prototypen dafür gibt es seit etwa 100 Jahren.

 

3. Zurück zur Einfachheit:

Die meisten Wege, die mit dem Fahrrad zurückgelegt werden, sind kurze, in städtischen oder anderem dichter besiedelten Gebiet. Zur Arbeit, zum Einkaufen, zur Freizeitgestaltung. Dafür sind zumeist weder ausgefeilte Gangschaltsysteme noch extraleichte Konstruktionen oder sonstige Spezialitäten notwendig oder auch nur gefragt. Das Rad muss schnell zur Verfügung stehen, man muss etwas Gepäck mitnehmen können und es sollte robust und wartungsarm sein. Im besten Fall passt es auch noch für mehrere Personen, die unterschiedlich groß sind. Sieht man sich in den Niederlanden an, welche Fahrräder das Straßenbild beherrschen oder wie Leihräder der großen Verleihfirmen gebaut sind, dann hat man eine Vorstellung, wie es vielerorts bald aussehen könnte. Wie sonst ist es zu verstehen, dass die Firma Puch das Steyr-Waffenrad wiederauflegt – ein Konzept, das vor 20 Jahren als überholt aufgegeben wurde.

Elektrifizierung?

Wenn man in den letzten Jahren auf der Eurobike, der größten europäischen Fahrradmesse, die auch als Gradmesser für Entwicklungsrichtungen gilt, war und sah, was dort präsentiert wurde, muss annehmen, dass das Fahrrad in Kürze zu 90 % oder mehr elektrifiziert sein wird. Ich persönlich glaube, dass das ein Hype ist, der sich einpendeln und das rein muskelbetriebene Fahrrad nicht ersetzen wird. Es wird eben Pedelecs und auch stärkere E-Bikes geben (siehe Punkt eins: Diversifizierung), aber das klassische Fahrrad wird seine Berechtigung behalten. Spätestens wenn die ersten teuren Akkus verschlissen sind und nachgekauft werden müssen, taucht vielleicht die Frage auf, ob man/frau das wirklich braucht. Für viele wird ein elektrisch unterstütztes Rad ein Verkehrsmittel der Wahl bleiben und es werden sicher einige Leute dauerhaft vom Fahrrad auf das Pedelec umsteigen und einige werden dieses auch für kürzere Wege statt ihres Autos verwenden. Aber das Fahrrad wird das Fahrrad bleiben, auch wenn derzeit die Fahrradhändler im Durchschnitt 60 % ihres Umsatzes mit Pedelec und E-Bikes machen.

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